Alle Kinder und Jugendlichen sollen in der Schule bestmöglich lernen können. Dafür hat das Land 2019 das Schulgesetz reformiert und den Schulen einen zeitgemäßen rechtlichen Handlungsrahmen ermöglicht. Die daraus resultierende Novelle ist im Januar 2020 in Kraft getreten. Vorrangig soll damit die Inklusionsstrategie Schritt für Schritt umgesetzt werden. Anders als ursprünglich geplant, haben die Schulen jetzt bis zum Schuljahr 2027/2028 dafür Zeit. Neben der Zeit ermöglicht ihnen das Gesetz aber auch viele Freiräume. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Mehr Zeit für den Schulstart Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse erhalten keine Ziffernnoten mehr und können damit ohne Druck ins Schulleben starten. Stattdessen erarbeiten die Lehrkräfte eine ausführliche Leistungseinschätzung für die Eltern. Die Jahrgangsstufen 1 und 2 bilden die Schuleingangsphase. Sie kann von Schülerinnen und Schülern in einem Zeitraum bis zu drei Schuljahren besucht werden. Die ersten Ziffernnoten werden in der Regel in der Jahrgangsstufe 3 erteilt.

Leichter und flexibel zum Schulabschluss Das Netz von Angeboten in der so genannten flexiblen Schulausgangsphase wird weiter verdichtet. Davon können noch mehr abschlussgefährdete Jugendliche profitieren. Das praxisorientierte freiwillige 10. Schuljahr wird von den Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen schrittweise an ausgewählte Regionale Schulen überführt. Dieses Schuljahr soll Jugendliche zur Berufsreife führen, die mehr Zeit zum Lernen benötigen. Ein neues Angebot kommt ab dem Schuljahr 2021/2022 mit der Berufsreife dual dazu. Es richtet sich an abschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler, die die 7. Klasse absolviert haben. In zwei bis drei Jahren sollen sie neben ihrem Schulalltag auch das Berufsleben kennenlernen und die Schule abschließen. Die Berufsreife dual löst schrittweise die Angebote 9+ und das Produktive Lernen ab.

Vielfältige sonderpädagogische Förderung Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden vielfältig unterstützt. Wer in den Förderbereichen Sprache, Verhalten oder Lernen große Unterstützung benötigt, kann beispielsweise in speziellen Lerngruppen an Grundschulen und weiterführenden allgemein bildenden Schulen gefördert werden. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle, wie das Familienklassenzimmer für die Lerngruppe Verhalten. Einmal wöchentlich können hier Grundschulkinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam mit ihren Eltern lernen.

Schulen mit spezifischer Kompetenz Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen möglichst in der Nähe ihres Wohnortes zur Schule gehen können. Dafür werden die allgemein bildenden Schulen an ausgewählten Standorten als Schulen mit spezifischer Kompetenz umgestaltet. Für besseren Schallschutz gibt es beispielsweise Akustikdecken. Bodenleitsysteme erleichtern Kindern, die nicht gut sehen können, den Schulalltag.

Mittlere Reife ohne Prüfung Schülerinnen und Schüler am Gymnasium, die in der 10. Klasse einen Notendurchschnitt von 3,9 und besser erreichen, erhalten einen der Mittleren Reife gleichwertigen Abschluss, wenn sie in die 11. Klasse versetzt werden. Dafür müssen sie keine Prüfung mehr ablegen. Den schulischen Teil der Fachhochschulreife können die Jugendlichen frühestens am Ende der 11. Klasse absolvieren.

Schutz gegen sexualisierte Gewalt und Mobbing Kinder und Jugendliche sollen besser vor sexualisierter Gewalt und Mobbing geschützt werden. Dafür nehmen alle Schulen Aufklärungsmaßnahmen verbindlich in ihr Schulprogramm auf. Das gilt auch für Angebote, mit denen Betroffene im Ernstfall begleitet und unterstützt werden. Damit ist das Land Mecklenburg-Vorpommern bundesweiter Vorreiter.

Berufliche Bildung wird gestärkt Damit junge Menschen rechtzeitig wissen, welchen Beruf sie später ausüben möchten, wird die Berufsorientierung integraler Bestandteil aller Fächer und Jahrgangsstufen. Die neue Generation der Fachrahmenpläne greift „Berufliche Orientierung“ von Anfang an mit auf. Außerdem wird „Berufliche Orientierung“ in der Jahrgangsstufe 11 als Grundkurs vermittelt und ist damit Schulfach. Das erneuerte Schulgesetz hebt zudem Studium und Ausbildung auf eine Stufe und betont damit die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung.

Schulsystem
Schritt für Schritt zum inklusiven Schulsystem: Im Schuljahr 2021/2022 steht die Einführung der Berufsreife dual an Regionalen Schulen und Gesamtschulen an.

 

Freie Wahl der Schulbücher Schulen können ihre Schulbücher und Unterrichtsmedien frei wählen. Die Auswahl erfolgt durch die Fachschaften einer Schule. Damit reagiert das Land Mecklenburg- Vorpommern auf die verschwimmenden Grenzen zwischen genehmigungsfreien und genehmigungspflichtigen Schulbüchern, aber auch auf die zunehmende Digitalisierung des Unterrichts.