„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – im Festjahr 2021 stehen die jüdische Geschichte und Kultur in Deutschland im Mittelpunkt. Auch in den Schulen des Landes gibt es viele beeindruckende Projekte, die sich mit der Geschichte des Judentums in Mecklenburg-Vorpommern befassen.

Jüdische Kultur und Kunst Mit der jüdischen Kultur und jüdischen Künstlerinnen und Künstlern beschäftigen sich 70 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Grimmen. Durch die Verfolgung und Ermordung sind viele jüdische Künstlerinnen und Künstler heute nur wenig bekannt. Das wollen die jungen Erwachsenen ändern. Im Fokus ihrer Arbeit stehen der Komponist Robert Kahn und die Schriftstellerin und Komponistin Ilse Weber. Kahn lebte zeitweise in Mecklenburg-Vorpommern und emigrierte dann nach England. Wie drückte er musikalisch aus, was er erlebte? Auch Ilse Weber hielt ihr Leben in Texten und musikalischen Werken fest. Sie wurde in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Wie gelang es der Künstlerin unter den menschenunwürdigen Bedingungen, zahlreiche Gedichte zu verfassen und Lieder zu singen? Mit all diesen Fragen setzen sich die Schülerinnen und Schüler der elften Klassen auseinander.

Synagoge Boizenburg Synagoge Boizenburg

Greta Behnke, Lehrerin am Gymnasium Grimmen, leitet das Projekt mit viel Herzblut und Engagement: „Auf welche Weise können wir musikalisch jüdische Geschichte ausdrücken, erzählen und an sie erinnern? Wir möchten den Schülerinnen und Schülern sowohl im Musikunterricht als auch in Workshops mit unseren externen Partnern Möglichkeiten eröffnen, Antworten auf diese Fragen zu finden und selbst musikalisch und kompositorisch aktiv zu werden.“ Zu den Partnern gehören unter anderem David Behnke, Dozent der Hochschule für Musik und Theater in Rostock, und Norbert Meyn, Dozent des Royal College of Musik. Die Workshops halten die Jugendlichen mit Fotos und Videos fest. Am Ende ihres Projektes wollen sie eine Ausstellung mit eigenen Werken zu dem Thema präsentieren. Außerden planen sie ein Konzert, in dem sie unter anderem Briefe Robert Kahns und Ilse Webers vorlesen.

Straßenbahnwaggon und Hörspiel zu Richard Siegmann Mit dem Leben von Richard Siegmann beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Evangelischen Schule Dettmansdorf. Richard Siegmann war über 30 Jahre lang Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG), bevor er 1943 von der Gestapo in das KZ Theresienstadt deportiert wurde und dort verhungerte. Gemeinsam mit der RSAG wollen die Schülerinnen und Schüler einen Straßenbahnwaggon gestalten und ein Hörspiel für die Fahrgäste entwickeln. Mit beiden Projekten wollen sie das Leben und Wirken Richard Siegmanns vielen Menschen vor Augen und Ohren führen.

Gemeinsam recherchieren die Jugendlichen Gemeinsam recherchieren die Jugendlichen zur jüdischen Kultur.

Jüdische Biografien erforschen Auch die Grundschule am Friedenshof in Wismar beschäftigt sich mit der jüdischen Geschichte. Hier erforscht eine Lehrerin das Leben und Wirken der jüdischen Pädagogin Marie Bloch. Die gebürtige Berlinerin hatte 1910 in Rostock einen Kindergarten eröffnet, wurde 1942 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert und starb dort im Frühjahr 1944. Die Informationen über Marie Bloch werden auf der Schul-Internetseite allen Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht. Die Idee entstand aus dem Projekt „Jüdische Biografien – Mecklenburg und Vorpommern”, an dem auch Lehrerinnen und Lehrer unter anderem aus Lübz, Güstrow und Wolgast beteiligt waren. Außerdem forschen die Schülerinnen und Schüler der Wismarer Grundschule zu einzelnen jüdischen Persönlichkeiten, die in Mecklenburg- Vorpommern gelebt haben, unter anderem in Schwerin und Wismar. Mit historischen Fotos versuchen sie, sich in diese Personen hineinzuversetzen und schreiben dann aus deren Sicht fiktive Tagebucheinträge.

Gedenkstätten besuchen Es gibt zahlreiche Bücher und Filme, die über die NS-Zeit berichten. Doch dort zu stehen, wo tatsächlich Verbrechen an Juden begangen wurden, ist etwas ganz anderes. Solche Erlebnisse bewegen tief und regen an, sich mit der Geschichte zu befassen. Deshalb haben Schulklassen im Land die Möglichkeit, ein ehemaliges KZ oder andere Mahn- und Gedenkstätten im Land zu besuchen. Eine Übersicht der Mahn- und Gedenkstätten finden Interessierte auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung:
www.lpb-mv.de/foerderung/gedenkstaetten