Was braucht es, um den Weg zum Abitur einigermaßen stolperfrei zu meistern? Was ist entscheidend dafür, dass die Oberstufenzeit zu einer zielführenden Vorbereitungsphase wird – für die Abi-Prüfungen und für das, was danach kommt? Steht und fällt alles mit den Lehrerinnen und Lehrern, werden die meisten rufen.

Aber auch deren Engagement, Motivationskunst und Kreativität bei der Stoffvermittlung sind eingebunden in Strukturen. Und die wiederum sollten in den 16 Bundesländern so einheitlich wie möglich sein, darauf hat sich die Kultusministerkonferenz (KMK) verständigt.

Mecklenburg-Vorpommern war maßgeblich an diesem Beschluss beteiligt, und so hat die Landesregierung die Oberstufe nun neu aufgestellt für diesen Weg hin zu besserer Vergleichbarkeit. Dabei herausgekommen ist ein Modell, das Lehrern, Schülern sowie deren Leistungen gleichermaßen entgegenkommt: Statt der Hauptfächer wird es Leistungs- und Grundkurse geben. Wer zum Schuljahr 2019/2020 in die Qualifikationsphase kommt, wird bereits in dem neuen System lernen und unterrichtet – und 2021 sein Abitur machen, denn es bleibt bei 12 Jahren Schulzeit auf dem Weg zur allgemeinen Hochschulreife.

Was wird anders…?

Bislang stehen im Stundenplan der Oberstufenschüler sechs Hauptfächer. Alle sechs Hauptfächer werden auf erhöhtem Anforderungsniveau unterrichtet. Dahinter steckt der Gedanke, den Abiturienten eine möglichst breite und vertiefte Allgemeinbildung an die Hand zu geben. So weit, so gut gemeint. Für die Schüler aber heißt das: Egal, ob ihnen das Unterrichtsfach liegt oder nicht, sie müssen in allen sechs Hauptfächern irgendwie mit den gestellten Anforderungen klarkommen, obwohl sie dann im Abitur nur in zwei Unterrichtsfächern auf erhöhtem Anforderungsniveau geprüft werden. Für die Lehrer heißt das: Sie unterrichten Gruppen von Schülern, die in dem jeweiligen Unterrichtsfach mitunter über völlig unterschiedliches Potenzial verfügen – und entsprechend schnell oder langsam vorankommen. Das kann diesseits und jenseits des Lehrerpults zusätzlich Energie kosten.

… und vor allem: besser?

Künftig können die Schüler sich für zwei Leistungskurse entscheiden, in denen sie dann fünf Stunden pro Woche unterrichtet werden: Weil ein Leistungskurs ja ein Leistungskurs ist, greift hier das erhöhte Anforderungsniveau. Zudem werden die Leistungen in diesen beiden Kursen doppelt gewichtet, so wie bisher die beiden für die Abiturprüfung ausgewählten Hauptfächer. Ihre Leistungskurse können die Schülerinnen und Schüler mindestens aus den sechs Unterrichtsfächern wählen, die bislang die Hauptfächer sind. Dazu haben die Schulen auch noch die Möglichkeit, über ihr Angebot an Leistungskursen und Grundkursen besondere Schwerpunkte zu setzen. Es gilt: Alle Fächer außer Darstellendes Spiel können Leistungskurs werden.

Die übrigen früheren Hauptfächer finden dann mit drei Stunden als Grundkurs ihren Platz im Stundenplan. Alle verbleibenden Unterrichtsfächer werden weiterhin zweistündig unterrichtet.

Im Abitur bleibt es dann bei fünf Prüfungen, wobei die beiden Leistungskurse die Prüfungsfächer auf erhöhtem Anforderungsniveau sind.

Wenn der und die Einzelne wählen dürfen, in welchen Fächern sie besonders gefordert und gefördert werden, dann bedeutet das zum einen die Freiheit, sich mehr als bisher nach den eigenen Neigungen und Stärken richten zu können. Wer schon ungefähr weiß, in welche Richtung es bei Studium oder Ausbildung gehen soll, der kann sich so zum anderen gezielter darauf vorbereiten. Lehrerinnen und Lehrer können sich in dem neuen System ihren Schülern individuell intensiver zuwenden, denn in den Kursen wird die Leistungsspanne, die es einzuhegen gilt, nicht mehr so groß sein. Kurzum: Womit man die einen fördert, das überfordert die anderen nicht mehr.

Die Abiturvorbereitung als Leistungs- und Grundkurse zu organisieren, ist eine Variante, die alle mittragen, die sie im Schulalltag mit Leben füllen: Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, Elternvertreter. Sie alle hat das Bildungsministerium in einer Arbeitsgruppe an der Entscheidung beteiligt, wie sie aussehen soll, die Gymnasiale Oberstufe in Mecklenburg-Vorpommern. Diese breite Akzeptanz ist die Basis dafür, dass die Umsetzung ab dem Schuljahr 2019/2020 gelingt. Die rechtliche Grundlage für dieses Gelingen wird eine neue Ober­stufen- und Abiturprüfungsordnung bilden. Auch daran wirkt die Arbeitsgruppe mit. Im Jahr 2019 soll sie fertig sein. Und dann geht’s ja auch schon los!