Neue Ideen für
die Zukunft des Digitalen

Beim Studium ändern sich nicht nur Lehrinhalte, sondern auch Lern- und Lehrmethoden. Die Hochschule Wismar nutzt in allen drei Fakultäten digitale Technologien. Angehende Designer, Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler vernetzen sich interdisziplinär, ergründen die Denkweise von Hackern, forschen über neue Mobilität und über intelligente Produktion

Jakob Diehl muss blinzeln, während er den Laptop auf dem Stehpult startet. Das Produktionsstudio für E-Learning-Anwendungen (PELA) der Hochschule Wismar ist grell ausgeleuchtet. Überall hängen Bühnenscheinwerfer in den Traversen. Zusammen mit Christopher Könitz demonstriert Jakob, wie die digitale Aufnahmetechnik mit den grasgrünen Rückwänden funktioniert. Das kleine Fernsehstudio hat Profi-Standard: Zwei Videokameras sorgen für unterschiedliche Perspektiven, die beiden an der Decke montierten Richtmikrofone saugen die Töne rauscharm ein und der Teleprompter hilft bei Textunsicherheiten. Das Geschehen im Studio lässt sich durch eine Glasscheibe im Regie- und Schnittraum verfolgen. Christopher und Jakob zeigen, wie sie am Computer den grünen Studiohintergrund mit beliebigen Motiven füllen können. Bilder, Videos und Töne lassen sich sogar via Livestream während der Aufnahme zuspielen.

Das PELA ist das Herzstück des hochschuleigenen E-Learning-Zentrums und Drehort für Tutorials, Rollenspiele und Präsentationen. Vor allem für die berufsbegleitenden Fern- und Online-Studiengänge, die bei der Hochschultochter WINGS angesiedelt sind, werden die Inhalte und Vorlesungen im Videoformat aufbereitet. Die Videos sind dann über die Kommunikationsplattform ILIAS jederzeit und an jedem Ort für die Studierenden verfügbar. „Die Lehrvideos werden zunehmend auch für die Präsenzstudierenden in Wismar hochgeladen. Das ist praktisch, wenn Studierende z. B. einmal eine Vorlesung versäumt haben oder sich auf die Prüfungen vorbereiten wollen“, erklärt Christopher. Regelmäßig genutzt wird das PELA außerdem vom Sprachenzentrum, das eigene didaktische Formate entwickelt hat. Studierende dürfen bei Vorstellungen oder Referaten vor laufender Kamera beweisen, wie sicher sie die englischen Fachbegriffe beherrschen. „Wir hatten einmal einen Wirtschaftsinformatik-Studenten hier, der hat live eine App programmiert und auf Englisch erklärt, wie er das macht“, gibt Jakob ein Beispiel.

Im Produktionsstudio für E-Learning entstehen Seminare und Vorlesungen im Videoformat. Die Lehr­videos und Tutorials sind auf der Kommunikationsplattform ILIAS für Online- und Präsenzstudiengänge jederzeit abrufbar.

Aufnehmen, schneiden und senden wie die Profis
Das Setting im Studio lässt sich variieren. Einzelvorträge, Interviews am Stehpult oder Diskussionsrunden mit bis zu drei Teilnehmern sind möglich. Christopher und Jakob geben mediendidaktische Tipps, wo es gewünscht ist und sorgen für die technische Umsetzung. Das nötige Know-how haben sie sich angeeignet, denn Techniker sind sie von Haus aus nicht. Das war auch nicht gewollt. Prof. Jürgen Cleve, seit 2011 Leiter des E-Learning-Zentrums, suchte bewusst nach Fachkräften, die beim Thema Digitalisierung über den Tellerrand schauen können. Für kreative Projekte und Ideen steht das E-Learning-Zentrum den Lehrenden und Studierenden aller drei Fakultäten offen. In letzter Zeit werden hier im Computerkabinett auch vermehrt E-Klausuren geschrieben.

Die Technik ist nur das Werkzeug

Digitalisierung ist weit mehr als Computer und Internet. Sie ist die Strategie für die Zukunft und schafft an den drei Fakultäten der Hochschule die Basis für kreative Projekte und echte Teamarbeit.

Welche digitalen Projekte stehen demnächst auf der Hochschul-Agenda?
Das Land stellt ja für die Hochschulen in MV 8,5 Mio Euro zur Verfügung. Die von uns beantragten Mittel für die Verbesserung der digitalen Lehre in Höhe von 1,66 Mio. Euro sind inzwischen bewilligt. Damit wollen wir ein virtuelles 3-D-Labor einrichten, eine sogenannte CAVE (Computer Aided Virtual Environment). Mit dieser Technik erschaffen wir Räume für virtuelle Produktionsprozesse, in denen wir gefahrlos Änderungen an Maschinen oder Prozessen testen können. Die CAVE wollen wir auch interdisziplinär nutzen.

Wie muss man sich das vorstellen?
Nehmen wir z. B. den Studiengang Digitale Logistik: Da geht es um Logistikprozesse innerhalb von Unternehmen, die kann man sehr gut virtuell simulieren. Dabei bringen interdisziplinäre Teams aus allen drei Fakultäten ihre Kompetenzen ein und bauen ein virtuelles Unternehmen auf bzw. bilden Produktionsabläufe ab. Auf diese Weise können wir alle Aspekte einbringen – betriebswirtschaftliche, gestalterische und ingenieurwissenschaftliche. Wir sind sehr froh, dass wir so einen großen Teamgeist in der Professorenschaft haben und ein so großes interdisziplinäres Projekt entwickeln konnten.

Das Hacking-Labor ist die Computerspielwiese für simulierte Angriffe. Prof. Ernst Jonas ist Spezialist für Cyberkriminalität und unterrichtet auch im Fernstudiengang Digitale Forensik.

Fakultät TECHNIK – Studiengang: „Angewandte Informatik – Multimediatechnik“

Von digitaler Forensik bis zu biometrischer Gesichtskontrolle
Was aussieht wie langweilige Server-Technik ist ein virtueller Schauplatz für immer neue Cyber-Attacken. Fern- und Präsenzstudierende aus Deutschland und der Schweiz spielen im Hacking-Labor Wismar digitale Horror-Szenarien durch. „Ziel der simulierten Angriffe ist es, den Rechner zu übernehmen, Schadsoftware ins System zu bringen oder Nutzer und Verzeichnisse zu löschen“, erklärt Prof. Ernst Jonas. Nach drei Stunden ist der Spuk vorbei, dann stellt das System automatisch den Ausgangszustand her. Neuerdings studieren auch Polizisten bei Prof. Jonas. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit Datenträger-Forensik. Dabei lernen sie, Daten eines beschlagnahmten Computers gerichtsfest zu sichern und auszuwerten. Im Biometrie-Labor der Hochschule vermittelt Prof. Matthias Kreuseler die Funktionsweise eines E-Gates für Passkontrollen auf Flughäfen. „Die Studierenden lernen an verschiedenen Geräten aus der Praxis, wie biometrische Daten erfasst und verarbeitet werden“, erklärt er. Dazu gehören auch simulierte Polizeikontrollen mittels Multifinger-Sensor und eines Iris-Scanners.

Was aussieht wie langweilige Server-Technik ist ein virtueller Schauplatz für immer neue Cyber-Attacken. Fern- und Präsenzstudierende aus Deutschland und der Schweiz spielen im Hacking-Labor Wismar digitale Horror-Szenarien durch. „Ziel der simulierten Angriffe ist es, den Rechner zu übernehmen, Schadsoftware ins System zu bringen oder Nutzer und Verzeichnisse zu löschen“, erklärt Prof. Ernst Jonas. Nach drei Stunden ist der Spuk vorbei, dann stellt das System automatisch den Ausgangszustand her. Neuerdings studieren auch Polizisten bei Prof. Jonas. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit Datenträger-Forensik. Dabei lernen sie, Daten eines beschlagnahmten Computers gerichtsfest zu sichern und auszuwerten. Im Biometrie-Labor der Hochschule vermittelt Prof. Matthias Kreuseler die Funktionsweise eines E-Gates für Passkontrollen auf Flughäfen. „Die Studierenden lernen an verschiedenen Geräten aus der Praxis, wie biometrische Daten erfasst und verarbeitet werden“, erklärt er. Dazu gehören auch simulierte Polizeikontrollen mittels Multifinger-Sensor und eines Iris-Scanners.

Adrian Jaffé aus dem 4. Semester bearbeitet Bilder und nutzt dafür die Computerarbeitsplätze im Bereich Gestaltung

Fakultät GESTALTUNG – Studiengang „Kommunikationsdesign und Medien“

Von klassischer Illustration bis zu digitalem Storytelling
In diesem Diplomstudiengang ist die digitale Gestaltung eine von drei Säulen. Ein Anschauungsprojekt findet sich auf der Webseite der Hochschule: Bei einem 360-Grad-Rundgang können Besucher interaktiv das Fakultätsgebäude erkunden. „Aber auch die handwerklichen Traditionen, wie sie an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm üblich waren, und theoretische Grundlagen in Philosophie, Kultur und Kommunikationswissenschaften spielen eine Rolle“, erläutert Prof. Henning Schellhorn. Er bereitet gerade das Wahlpflichtfach Digitales Storytelling vor. „Unseren Studierenden ist häufig nicht klar, dass sie multimediale Inhalte zunächst mittels traditioneller Techniken gestalten können“, sagt der Professor und zeigt zur Veranschaulichung ein paar klassische Illustrationen. Man braucht quasi zuerst ein analoges Talent und dann ein gutes digitales Verständnis. Nur wenn sich beides optimal ergänzt, wird das Ergebnis gut. Für den Rostocker Zoo haben Studierende z. B. ein neues Corporate Design entwickelt, das durch seine detailreichen Zeichnungen besticht, die mit Hilfe moderner Computertechnik umgesetzt wurde.

In diesem Diplomstudiengang ist die digitale Gestaltung eine von drei Säulen. Ein Anschauungsprojekt findet sich auf der Webseite der Hochschule: Bei einem 360-Grad-Rundgang können Besucher interaktiv das Fakultätsgebäude erkunden. „Aber auch die handwerklichen Traditionen, wie sie an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm üblich waren, und theoretische Grundlagen in Philosophie, Kultur und Kommunikationswissenschaften spielen eine Rolle“, erläutert Prof. Henning Schellhorn. Er bereitet gerade das Wahlpflichtfach Digitales Storytelling vor. „Unseren Studierenden ist häufig nicht klar, dass sie multimediale Inhalte zunächst mittels traditioneller Techniken gestalten können“, sagt der Professor und zeigt zur Veranschaulichung ein paar klassische Illustrationen. Man braucht quasi zuerst ein analoges Talent und dann ein gutes digitales Verständnis. Nur wenn sich beides optimal ergänzt, wird das Ergebnis gut. Für den Rostocker Zoo haben Studierende z. B. ein neues Corporate Design entwickelt, das durch seine detailreichen Zeichnungen besticht, die mit Hilfe moderner Computertechnik umgesetzt wurde.

Einführungsvorlesung bei Prof. Matthias Wißotzki. Er macht sich dafür stark, Wirtschaft und Wissenschaft bei der Digitalisierung zusammenzubringen. Für kreative Start-Up-Ideen entsteht in Wismar ein Innovationszentrum.

Fakultät WIRTSCHAFT – Studiengang „Wirtschaftsinformatik“

Vom autonomen Fahren bis zur digitalen Abrechnung
„Das E-Learning-Zentrum ist im Grunde ein Produkt der Wirtschaftsinformatik, das innerhalb der Hochschule zentrale Funktionen einnimmt“, sagt Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Steffan. Die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und Produkte gehört zu den neuen Ausbildungsschwerpunkten des Studiengangs. Welche Ideen die Studierenden der Wirtschaftsinformatik bei der Digitalisierung jetzt schon haben, hat Prof. Matthias Wißotzki in einer Umfrage getestet. Einige möchten z. B., dass Mecklenburg-Vorpommern eine größere Testregion für autonomes Fahren wird, andere beschäftigen sich mit digitalen Lösungen für das Älterwerden auf dem Lande. „Die Vorschläge verschwinden nicht in der Schublade, sondern werden in die Ministerien getragen“, verspricht Prof. Wißotzki. „Wir wollen die Studierenden in die Lage versetzen, ihre digitale Umgebung kreativ mitzugestalten“, ergänzt er. Das geschieht nicht nur virtuell und theoretisch, sondern ganz praktisch bei kleinen und großen Unternehmen oder zusammen mit dem Energieministerium bei dem Projekt Smartcity. Aktuell wird bei einer bekannten Autohauskette „digitalisiert“, damit die Rechnungen dort nicht mehr in Papierform reinflattern, sondern als PDF im E-Mail-Eingang landen und von der Buchhaltung direkt bearbeitet werden können. Für die Zoos in MV haben die Studierenden auch schon Kassen- und Spendensysteme entwickelt.

ProWI-Team Wer Fragen zum Wirtschaftsinformatik-Studium hat, ist beim ProWI-Team richtig. Von Studenten für Studenten lautet die Devise. Auch Schülerinnen und Schüler können sich Rat holen. Kontakt über facebook.com/ProWiHsWismar

Stud.IP ist die zentrale Verwaltungsplattform für Lehrveranstaltungen. Hier finden Studierende neben Terminen und Aufgaben auch Angebote für Bücher, Möbel oder Mitfahrgelegenheiten am digitalen Schwarzen Brett.

ILIAS ist eine E-Learning-Platt- form für multimediale Inhalte, auf der auch Prüfungsszenarien für E-Klausuren angelegt werden können. Die Hochschule Wismar stellt die ILIAS-Architektur auch für das E-Learning-Konzept „Handlungsorientiert lernen online – HALEO“ bereit. In dem Kooperationsprojekt geht es um digitale Lernmethoden. Es steht allen beruflichen Schulen in MV offen.

WhatsApp Die Hochschule bietet Studienberatung für Schülerinnen und Schüler unter der Chatnummer 0176 17532942.

Stimmen aus dem ProWI-Team



Phillip Matthias Herbert
„Wismar ist als Studienort angenehm und bietet gute Rückzugsmöglichkeiten.“

Cederik Boowers
„Ich habe durch das Kooperationsprojekt meines Gymnasiums in Wirtschaftsinformatik – Leistungskurs die Hochschule Wismar kennengelernt.“

Tugay Alay
„Prof. Steffan ist mit uns nach Nürnberg zur Konferenz der Deutschen ORACLE-Anwendergruppe gefahren. Das war wirklich spannend.“

Carmen Otto
„Der Kontakt zu den Professoren ist an der Hochschule wirklich sehr gut. Die antworten immer gleich auf E-Mails.“

Jonas Kairis
„Ich hab vor kurzem zu BWL gewechselt, unterstütze aber gern weiterhin das ProWI-Team.“