Viele wissen gar nicht, dass die meisten Seenotretter der DGzRS ehrenamtlich arbeiten. Von den 1.000 Mitarbeitern der Gesellschaft sind gerade einmal 180 festangestellt. „Auch unsere Ausrüstung finanzieren wir nur über Spenden“, erklärt Jörg Westphal. Er leitet seit 2006 das Info-Zen­trum der DGzRS in Warnemünde. Die Station mit der Adresse Am Leuchtturm 1 befindet sich im ehemaligen Wohnhaus des legendären Lotsenkommandeurs Stephan Jantzen. Gleich gegenüber liegt am Alten Strom der Seenotkreuzer „Arkona“.

Symbol des Schulprojekts ist ein ausgemusterter Rettungsring des Seenotrettungskreuzers NIS RANDERS/Station Maasholm.

Der Besuch bei der DGzRS-Station in Warnemünde brachte Geschichtslehrer Lutz Müller auf die Idee, das Projekt an seine Schule zu holen. Er musste Schulleiter Nico Müller nicht lange überzeugen. „Uns war es wichtig, dass sich nicht nur eine Klasse, sondern die ganze Schule inhaltlich mit dem Ehrenamt und der Seenotrettung auseinandersetzt. Die Vorschläge und Aktionen waren altersgemäß ganz unterschiedlich. Jede Klasse hat das Thema für sich aufbereitet und mit kreativen Ideen etwas beigetragen“, erklärt Nico Müller.

Gleich zum Start im Mai 2017 ließ sich die Nordlicht-Schule etwas Besonderes einfallen. Die Schüler gruppierten sich in den roten T-Shirts der Organisation auf dem Schulhof und bildeten die Buchstaben DGzRS nach. Jörg Westphal brachte extra das Seenotrettungsboot „BARSCH“ auf einem Trailer von der Freiwilligenstation Wustrow mit. Mit dem transporta­blen Boot sind die Retter schnell zur Stelle, wenn Kite-Surfer auf dem Saaler Bodden oder Segler rund um die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst Hilfe brauchen. Einige Schüler wollten es ganz genau wissen: Wie schnell fährt das Boot? Wie viele Gerettete kann es aufnehmen? Jörg Westphal ist es gewohnt, viele Fragen zu beantworten. Im Info-Zentrum der DGzRS in Warnemünde erklärt er Besuchern und Gruppen, was es bedeutet, rund um die Uhr und bei jedem Wetter einsatzbereit zu sein.

Die Schüler der 8. Klasse entwickelten bei ihrem Lehrer Steffen Fleischer gleich eine ganze Interviewreihe für die Befragung der neun fest angestellten Seenotretter in Warnemünde. Sie wollen wissen, ob Seenotretter ein richtiger Ausbildungsberuf ist. „Um als Seenotretter auf einem Schiff zu arbeiten, gibt es zwei Wege“, erklärt Jörg Westphal. „Für ein hauptamtliches Besatzungsmitglied ist eine abgeschlossene seemännische Laufbahn Voraussetzung. Wer bei uns einen Seenotkreuzer steuert, braucht ein nautisches Patent und die vorgeschriebene Fahrenszeit. Ehrenamtlich darf sich bei uns jeder engagieren, der die Zeit und die Bereitschaft mitbringt. Idealerweise sollte die Distanz zwischen Wohnort und DGzRS-Station aber nicht so groß sein“, ergänzt er.

Schülerinnen der Nordlicht-Schule in Rostock, und DGzRS-Inspektor Carl Göner beim Einlegen einer Gedenkmedaille der Deutschen Fernsehlotterie.

Innerhalb des Jahres ist durch „Klasse Seenot­retter!“ zwischen der Nordlicht-Schule und der DGzRS ein enger Kontakt entstanden. Die Schule widmete sich dem Projekt mit vielen Ideen. Die Seenotretter spendierten als Leihgabe ausgemusterte Überlebensanzüge und ein Schiffsmodell für eine kleine Ausstellung im Atrium der Schule. Zur Taufe des Seenotrettungsbootes „NIMANOA“ in Warnemünde sorgten die Sechstklässler für die musikalische Begleitung. Im Chor stimmten sie die Hymne der DGzRS „Volle Kraft voraus“ von Klaus Lage an, der das Lied als „Bootschafter“ den Seenotrettern gewidmet hat. Bei einer Doppel-Kiellegung auf der Werft Tamsen Maritim an der Warnow durften zwei Schülerinnen sogar die traditionelle Münze als Glücksbringer auf die Pallung legen. Höhepunkt für die Schüler der 9. und 10. Klassen war der Besuch bei der Schifffahrtsschule im Ausbildungs- und Fortbildungszentrum Rostock. Dort lernten sie die maritime Berufswelt und seemännische Sicherheitsmanöver kennen. Zum Training gingen die Schüler in Überlebensanzügen im Hafenbecken von Marienehe richtig baden.

Übergabe der Spendensumme

Um die angepeilten 1.000 Euro für den Überlebensanzug zusammenzubekommen, organisierten einige Schüler Kuchenbasare oder bastelten Weihnachtsgestecke. Die größte Einnahme brachte der Sponsorenlauf, für den die Schulwerkstatt eigens Firmen aus der Region als Unterstützer gewinnen konnte. Die Laufbereitschaft von Schülern und Lehrern ergab am Ende eine Summe von 750 Euro. Zum Ende des Projektes konnte die Nordlicht-Schule insgesamt 1.511 Euro sowie einen Bildband überreichen. Darin sind zur Erinnerung alle Aktionen in Wort und Bild durch die AG Medien und Fotografie der Schule festgehalten. Auch ihren Nachfolgern im Münsterland, der Wolfhelmschule in Olfen, möchten die Nordlicht-Schüler ein Exemplar schenken. Der symbolische Rettungsring für das „Klasse Seenotretter!“-Projekt wandert nach einem Jahr weiter. Das Thema Seenotrettung bleibt aber an der Nordlicht-Schule verankert und nimmt in Fächern und Projekten einen dauerhaften Platz ein. „Künftig wollen wir in der Freiarbeitswoche mit allen Schülern der 5. Klasse die DGzRS-Station in Warnemünde und den Seenotkreuzer ARKONA besuchen“, verspricht Schulleiter Nico Müller.