Am zweiten Tag der Projektwoche zum Thema Gesundheit tragen einige Kinder einen dicken weißen Verband um den Kopf. Auf Felix‘ Stirn klebt ein großes Pflaster mit einem roten Punkt. Er tippt mit dem Finger auf das weiße Viereck und ruft Carola Hartstock beruhigend zu: „Das ist nicht echt. Wir üben Erste Hilfe“. „Ach ja“, sagt die Schulleiterin, „die 4. Klasse ist bei der Sanitätsausbildung.“ In der 1. Klasse steht diese Woche „Gesunde Ernährung“ auf dem Programm. Die Kinder lernen, die Finger zur Kralle zu formen, um sich beim Schneiden nicht zu verletzen. „Wenn sie das Obst und Gemüse selbst schnippeln, essen sie es auch“, weiß Lehrerin Britta Schenk.

Einmal kurz Auspowern bitte. Die Erstklässler genießen ihre Bewegungspause im Unterricht.

Zuvor dürfen alle im Unterricht bei ihr noch einmal richtig abzappeln. Die Schüler aus der 1b wissen, was jetzt kommt. „Arme hoch und auf die Zehen, so kannst du als Giraffe gehen“, tönt es aus dem Lautsprecher. Es folgen Hampelmann, Luftgitarre und Rennen auf der Stelle. Bei der Ansage „Stillstehen wie ein Stein“ verharren die Kinder in ihrer Pose wie eine Statue. Die zum Standbild eingefrorenen Bewegungen erinnern an die Videos der Mannequin-Challenge auf Youtube. Britta Schenk erlöst die Schüler aus ihrer konzentrierten Starre. Nach der Musik aus dem Programm „Klasse 2000“ kommt noch eine Runde „Heißer Stuhl“. Bei dem Ruf springen die Mädchen und Jungen jauchzend von ihren Plätzen. Immer, wenn die Unruhe in der Klasse anschwillt, lockert die Lehrerin den Unterricht mit einer Bewegungspause auf. Manchmal auch draußen auf dem Hof, wo sich die Kinder geschickt in die Seile der gelben Kletterspinne hängen.

Vorbereitung auf den Schwimmkurs. Spielerisch lernt die 2b die Baderegeln.

In der Sporthalle bereitet sich die 2b von Ricarda Gräbsch schon mal auf den Schwimm­unterricht im nächsten Schuljahr vor. Mit Dana Gomoll von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft aus Wismar erleben die Kinder spielerisch einen Tag des Rettungsschwimmers und lernen beim Puzzeln die Baderegeln. Mit der DLRG verbindet die Schule in Neuburg eine enge Kooperation. „Schließlich wohnen wir hier an der Küste, die Schüler müssen wissen, wie sie sich richtig verhalten und natürlich schwimmen lernen“, sagt Britta Schenk. Sie begleitet morgen die Klasse ins Erlebnisbad Wonnemar, um im tiefen und flachen Becken zu beobachten, wer sich schon gut über Wasser halten kann oder welches Kind sich erst an das nasse Element und die Umgebung gewöhnen muss. „Wir gestalten den Ausflug als Wandertag. Vom Bahnhof in Wismar laufen wir etwa eine halbe Stunde zum Wonnemar und auch wieder zurück. Das ist ganz schön anstrengend und prägt sich ein. Die Kinder behalten den Tag und was sie lernen, so besser in Erinnerung“, erklärt Britta Schenk. Zum Schulschwimmen fahren die beiden dritten Klassen im nächsten Jahr mit einem extra gecharterten Bus. Die Kosten für die Touren übernimmt die Gemeinde Neuburg als Schulträger.

Bei den Jüngsten endet der Unterricht als erstes. Danach finden bis 13.30 Uhr in der vollen Halbtagsschule verschiedene Angebote statt. Karin Weidemann, Klassenleiterin der 1a und Koordinatorin für die Grundschule, erläutert das System: „Die Schüler erhalten am Donnerstag einen Zettel mit einer Übersicht und kreuzen pro Wochentag an, ob sie zum Beispiel lieber beim Facepainting, den Leselöwen oder den Bewegungsspielen mitmachen möchten. Die Auswahl der Freizeitaktivitäten wechselt alle sechs bis acht Wochen.“

Auch Entspannen will geübt sein. Beim Yoga liegen erst einmal alle flach auf der Matte.

In der Ganztagsschule ist der Umfang der Angebote entsprechend den Altersgruppen und Interessen breiter gefächert. Einige unterhalten sich auf Plattdeutsch oder schreiben für die Schülerzeitung, andere helfen Eyk Strohschein beim Reparieren von Fahrrädern in der Fahrradwerkstatt oder lernen bei den Schulsanitätern die stabile Seitenlage. In diesem Schuljahr gibt es noch ein neues Angebot: Yoga. Carola Hartstock erzählt, wie es dazu kam: „Wir haben uns für das Projekt ‚Bewegung und Sport für Schülerinnen und Schüler in MV’ beworben und für ein Jahr eine Förderung erhalten. Die Schüler wünschten sich einen Tanzkurs. Wir fanden aber keinen Kooperationspartner und sind dann durch Jana Möller, Schulsozialarbeiterin in Neukloster, auf Yoga gekommen. Der Kurs ist so beliebt, dass wir ihn unbedingt weiterführen wollen. Nun hoffen wir, dass wir wieder ausgewählt werden. Wir haben uns mit der Antragstellung extra beeilt, um unter den ersten Antragstellern zu sein.“

Am Freitag kommt zum Finale der Projektwoche die ganze Schule in Bewegung. Die Gesundheitstage an der „Gesunden Schule“ enden mit einem großen Sportfest und dem Sponsorenlauf. „Von dem gespendeten Geld wollen wir u. a. unser grünes Klassenzimmer vervollständigen und für den Grundschulspielplatz eine neue Sandkiste anschaffen“, sagt Carola Hartstock. In Sachen „Grün“ gibt es übrigens an der Schule eine schöne und nachhaltige Tradition: Zum Abschied und sozusagen als Vermächtnis pflanzen die Schüler der 10. Klasse gemeinsam mit den Erstklässlern einen Baum.