Mit Glasfaserkabel, Breitbandanschluss, WLAN, Tablets und E-Touch-Whiteboards besitzt die berufliche Schule technisch die dafür nötige Infrastruktur. Den digitalen Wandel bewältigen Auszubildende, Schüler der Höheren Berufsfachschule sowie der Fachgymnasien und Teilnehmer aus der Berufsorientierung mit neuen Lernmethoden, vernetzter Teamarbeit und Projekten wie E-Learning.

„Mit Computern arbeiten wir schon lange, aber früher war vieles eben so noch nicht möglich“, erklärt Oliver Kracht beim Rundgang durch das riesige Gebäude des Bildungszentrums in Waren. Er ist beim RBB Müritz seit zwei Jahren Stellvertreter von Schulleiterin Birgit Köpnick. Im Team treiben sie die Digitalisierung an den beiden Standorten Waren und Malchin voran. „Wir bekommen dabei wirkliche großartige Unterstützung durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte“, sagt Oliver Kracht. Neben insgesamt 190 Computerarbeitsplätzen verfügt die Schule unter anderem über drei Tablet-Wagen mit 75 iPads sowie interaktive Whiteboards der neuesten Generation.

Kreide ade! Das interaktive Whiteboard besitzt einen Touch-Screen. Anne-Katrin Piehl lernt Altenpflege und den Umgang mit digitaler Technik.

Von den digitalen Tafeln möchte Oliver Kracht in diesem Jahr möglichst noch 20 weitere anschaffen. Die neuen Whiteboards verfügen über eine hochmoderne Multitouch-Technologie und lassen sich mit einem Stift, den Fingern oder der Handfläche bedienen und beschreiben. Die Oberfläche ist aus emailliertem Stahl, das macht die Boards im ausgeschalteten Zustand sehr robust und verwandelt sie in ein traditionelles Whiteboard. „Wir schließen hier den Lehrer, der an die analoge Form gewöhnt ist, nicht aus“, betont Oliver Kracht.

Auch Ulrike Neugebauer muss sich auf die vielen Möglichkeiten der neuen Technik erst einmal einstellen. Die Berufspädagogin unterrichtet Pflege, Gesundheit und Sozialkunde. Mit den Auszubildenden der Altenpflege nimmt sie gerade Prozesse und Abläufe durch. Dafür öffnet sie eine Grafik, die eine Kollegin auf dem Board gespeichert hat. Das ist einer der großen Vorteile: Die Tafelbilder, egal ob Vorlage oder individuell gestaltet, lassen sich als Datei ablegen und sind so für andere Klassen und zur Wiederholung abrufbar.

„Es ist nicht unser Ziel, dass wir die Folien, die wir früher auf den Overhead-Projektor gelegt haben, jetzt auf einem schicken Whiteboard präsentieren. Dafür brauchen wir die neue Technik nicht.

Für das WLAN wurden in der Schule 54 Access-Points eingerichtet.

Es soll ja interaktiv gearbeitet werden. Das heißt, die Ergebnisse der Schüler wollen wir von den Tablets direkt auf die Wand übertragen, und zwar drahtlos“, beschreibt Oliver Kracht die neue Form des Unterrichts. Er zeigt den Auszubildenden, wie sie sich mit ihren Smartphones verbinden können. Von der Möglichkeit, Fotos und Videos zu übertragen, sind alle begeistert. Das digitale Board erfreut sich auch noch aus einem anderen Grund großer Beliebtheit: Bei der interaktiven Arbeit entfällt der Tafeldienst, dafür gibt es jetzt einen digitalen Radiergummi.

Dass ausgerechnet die Gesundheitsklassen mit als erste an den interaktiven Whiteboards arbeiten, mag zunächst verwundern. „In den Krankenhäusern und in der Pflege läuft heute alles über Tablets und Apps. Darauf müssen wir uns in der Ausbildung einstellen und können nicht mit 20 Jahre alten Lehrplänen kommen“, begründet Oliver Kracht.

Durch die Verbindung zur IHK Neubrandenburg besteht ein enger Draht zur Praxis. „Wir erhalten die Anforderungen für die Ausbildung direkt aus der Wirtschaft“, sagt er. Ganz neu ist die Ausbildung der Kaufleute im E-Commerce, die im Herbst bundesweit zum ersten Mal startet. Die Schule richtet dafür gerade einen Fachraum mit Team-Arbeitsplätzen ein und entwickelt einen eigenen Online-Shop als Übungsmodul. „Die Plattform arbeitet zwar offline, ist aber verknüpft mit einem Warenwirtschaftssystem und simuliert alle Funktionen eines realen Web-Shops“, beschreibt Thomas Roth.

Digitales Lernen macht Spaß. Der Technikeinsatz muss aber auch sinnvoll sein, findet Thomas Roth. Er leitet das E-Learning-Projekt an der RBB Müritz.

Als Fachlehrer für Wirtschaft, Verwaltung und Sozialkunde steht er dem Thema ganz nah. Der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftspädagoge kam über die Lehrerwerbekampagne MV an die Müritz und leitet am RBB das E-Learning-Projekt „haleo“. Die Abkürzung steht für „handlungsorientiert-lernen-online“. Technischer Kooperationspartner im Hintergrund ist die Hochschule Wismar. Über ihren Server stellt sie für die beruflichen Schulen das Lernmanagementsystem ILIAS bereit und sorgt als Administrator für die Nutzerverwaltung.

„Ob Recherche oder Lernen – mit Internet oder App macht es mehr Spaß.“

Die Plattform ergänzt mit interakiven Tools die Lern­inhalte für die Einzelhandelskaufleute des 1. und 2. Ausbildungsjahres. Der Beruf wird sowohl in Waren als auch in Malchin gelehrt. Thomas Roth unterrichtet an beiden Standorten. Mit „haleo“ spielen Distanzen für ihn keine Rolle mehr. Von Waren aus beantwortet er Fragen der Berufsschüler in Malchin oder tauscht sich mit den Kollegen im virtuellen Lehrerzimmer aus. Die Online-Plattform bildet die Struktur der 14 Lernfelder im Einzelhandel ab. „An einem Musterunternehmen spielen wir unterschiedliche Situationen durch. Bei dem Punkt Absatzwerbung erstellen die Auszubildenden z. B. selbstständig einen Werbeplan. In den zugehörigen Ordnern finden sie dazu diverse Materialangebote, wie Screencasts, Videos oder Aufträge als Download“, gibt Thomas Roth einen Einblick in den virtuellen Klassenraum. Auf der Plattform legen Lehrer und Schüler ihr eigenes Profil an, nehmen an Foren teil und geben in einem Befragungssystem Live-Feedbacks ab. Für Thomas Roth liegt in der Form des ziel­orientierten, räumlich und zeitlich ungebundenen Lernens die Zukunft: „Warum sollen Schüler ihre Arbeitszeiten nicht individuell gestalten können?“