Das richtige Klima für eine familienfreundliche Karriere

Fast wäre Katrin Laubner in Australien geblieben. Dass sie einmal in MV Wurzeln schlagen würde, hatte die gebürtige Kielerin ursprünglich nicht auf dem Plan. Seit 2007 ist sie nach ihrem Referendariat Berufsschullehrerin in Hagenow, einem Standort des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums Ludwigslust-Parchim (RBB LuP). Ihr Traum von Beruf und Familie hat sich erfüllt. Beides zu kombinieren, zumal mit drei Kindern, wäre anderswo nicht so leicht, das weiß sie aus ihrem Freundeskreis.

 

Beruflicher Einstieg in der „Holzklasse“

„Ich hatte nach dem Abitur erst mal die Nase voll von Theorie und Papier und habe in einer kleinen Dorftischlerei in Schilksee bei Kiel eine Ausbildung angefangen. Die kannten mich schon als Praktikantin. In der Berufsschule bekam dann ein Lehrer mit, dass ich Mathe-Nachhilfe gab und sprach mich an, ob Lehramt nicht auch etwas für mich wäre. Ich konnte mir das gut vorstellen, weil ich immer einen Job haben wollte, den ich auch mit Familie vereinbaren kann. Das hatte ich alles schon mit 19 Jahren fest in meinem Kopf “, erinnert sich Katrin Laubner.

Nach der Tischlerlehre zog es die Schleswig-Holsteinerin raus in die Ferne. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche flog sie nach Australien: Vier Monate „Work and Travel“, zwischendrin Segelabenteuer am Ende der Welt. Als Kapitänstochter teilt sie die Liebe zum Meer mit Familie und Freunden. Auf die Dauer war die Entfernung irgendwann doch zu groß. „Ich hatte auch wieder Lust auf Studieren“, sagt Katrin Laubner. „Obwohl mir der Beruf des Tischlers wirklich gefällt, war mir klar, dass es für mich bis zur Rente schon rein physisch schwierig werden könnte. Der Studiengang Lehramt an einer Beruflichen Schule passte daher perfekt. In Hamburg war das Studium damals geteilt. An der Technischen Universität Hamburg-Harburg hatten wir Holz- und Kunststofftechnik und an der Universität Sozialwissenschaften und Pädagogik“, erläutert die 41-Jährige.

 

In MV gibt es mehr Spielraum für Gestaltung

Obwohl in der Berufsschule die Theorie im Vordergrund steht, während alles Praktische im Ausbildungsbetrieb stattfinden soll, versucht Katrin Laubner in Vorbereitung auf die Prüfungen möglichst viele Brücken zu bauen. In der kleinen Werkstatt der Berufsschule demonstriert sie an der Abrichthobelmaschine (Abrichte), welchen Einfluss die Vorschubgeschwindigkeit auf die Glätte des Werkstückes hat. „Unsere Technik ist älteren Datums, für unsere Zwecke aber meistens ausreichend“, erklärt sie.

Netzwerke zu schaffen, ist Katrin Laubner ein großes Anliegen. „Wir haben in MV große Gestaltungsräume und können auf kurzem Dienstweg viel bewegen. Unsere Fortbildungen organisieren wir in Absprache mit den Kollegen vom Berufsschulzentrum Nord in Wismar“, gibt sie ein Beispiel.

 

KITA-Betreuung ist jetzt sogar kostenfrei

Die Chemie stimmt – auch im Kollegium an der Schule. Von Anfang an fühlte sie sich gut aufgenommen, schon in Ludwigslust, als sie hier im April 2007 nach dem Studium anfing. „Meine beiden Mentoren haben mich toll unterstützt, auch die Leitung. Vor allem, wenn ich mit meinem kranken Kind zu Hause bleiben musste. Dafür gibt es hier immer Verständnis. In Schleswig-Holstein hätten sie mich damals gefragt, warum ich denn meinen Sohn unbedingt mit einem Jahr in die Krippe geben muss“, beschreibt sie den Unterschied. „Ich hatte auch bei keinem der drei Kinder Schwierigkeiten einen Platz in der KITA zu finden.“ Dass in MV seit dem 1. Januar 2020 die Betreuung komplett kostenfrei ist, sieht Katrin Laubner als besonderes Plus. Wie schwierig und teuer das Thema Kinderbetreuung sein kann, weiß sie von Freunden aus Hamburg.

Auf den ersten Blick positiv überrascht

Katrin Laubner ist mit 17 Stunden angestellt, mittwochs hat sie keinen Unterricht. „Das würde ich mit drei Kindern gar nicht anders schaffen, will ich auch nicht. Für unsere Berufsgruppe ist Teilzeit zum Glück gut machbar“, sagt sie. Abgesehen von einigen Donnerstagen – da sind Konferenzen – schafft sie es, gegen 16 Uhr zurück in Schwerin zu sein. Der kleinste ihrer drei Söhne ist vier Jahre alt und wartet dort in der KITA. Bis zu ihrem Wohnort braucht sie mit dem Auto 35 Minuten. Dort arbeitet ihr Mann. Der Jurist aus Kiel folgte 2006 einer Stellenausschreibung der Landesverwaltung MV. Katrin Laubner erinnert sich noch genau: „An einem herrlichen Sommertag zeigte er mir die Stadt. Ich sah das Schweriner Schloss, die Seen und dachte: das ist ja schön hier.“ Mittlerweile hat die Familie am Stadtrand von Schwerin ein Haus gebaut. Im Garten steht die Jolle für kleinere Bootsausflüge an den Wochenenden oder in den Ferien bereit.

 

Anschubhilfe für die nächste Generation

„An meinem Beruf schätze ich vor allem, immer wieder neue Menschen kennenzulernen. Als Lehrerin mit Kindern zur arbeiten, ist sicher ebenfalls interessant, weil man hier die Basis schafft. Zwischen 15 und 20 Jahren machen viele Jugendliche aber noch einmal eine spannende Entwicklung durch. In den Klassen trifft man auf ganz verschiedene Typen – 16-jährige Realschüler, Abiturienten, Studierte und Studienabbrecher, Umschüler oder Schüler, die bei uns erst noch ihre Berufsreife erwerben. Das ist ein großer Querschnitt und auch eine große Herausforderung. Als Berufsschullehrer begleite ich die zumeist Jugendlichen bei ihrem Einstieg ins Berufsleben. Ich finde es wichtig, die Verbindung zur richtigen Arbeitswelt zu behalten und tausche mich auch mit den Ausbildungsbetrieben aus. Das gibt mir einen anderen Blick. So sehe ich bei einem Azubi nicht nur eine Seite, sondern bekomme auch mit, wie es in der Praxis läuft. Der Umgang mit den Betrieben ist oft einfacher und zielführender, mit den Eltern haben wir meist nichts zu tun. Das ist in der allgemeinen bildenden Schule anders.

Ich arbeite auch gern ehrenamtlich im Gesellenprüfungsausschuss mit. Die Tischler müssen am Ende alle ein Gesellenstück abliefern. Ich freu mich, wenn sie das gut hinkriegen. Einer unserer vorhergehenden Absolventen möchte Berufsschullehrer werden. Ich hoffe, dass er nach seinem Studium zu uns kommt. In MV werden Referendare mit offenen Armen empfangen“, das weiß Katrin Laubner aus eigener Erfahrung.

 

Fotos und Interviews: Ariane Wagner

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