Pädagogik vor Ausstattung

Mecklenburg-Vorpommern setzt die Digitalisierung im Schulbereich und den DigitalPakt nach einem abgestimmten Handlungskonzept um. Torsten Schwarz, Schulleiter am Eldenburg-Gymnasium Lübz, hat im +3-Magazin der Süddeutschen Zeitung die Frage „Wie digital ist das Klassenzimmer?“ beantwortet:

Landrat Sternberg, Bildungsministerin Martin und Schulleiter Schwarz vor dem Whiteboard beim Schulbesuch im Mai 2019

„Das digitale Klassenzimmer ist aktuell auch in MV in aller Munde. Für mich als Schulleiter bedeutet die Digitalisierung einerseits, dass die Schulen über die notwendige Ausstattung verfügen müssen, aber viel wichtiger als die Technik ist mit Blick auf das Lernen unserer Schülerinnen und Schüler die Professionalität und die Haltung der Lehrkräfte. Damit meine ich eine Einstellung und eine Pädagogik, die der Digitalisierung als grundsätzlichem Veränderungsprozess aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens gerecht wird. Wir wollen, dass die jungen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bestmöglich auf die ihre Lebenswelt betreffenden Veränderungen in der Kommunikation, in der Zusammenarbeit und in der Qualität des Zusammenseins vorbereitet sind. Dafür muss die Schule Antworten auf ganz grundlegende Fragen finden:  Wie funktioniert das 21. Jahrhundert? Welche Kompetenzen benötigen Kinder und Jugendliche in ihrem Leben, Wie lernen sie diese am besten und wie muss der Unterricht dazu aussehen?

Richtschnur unserer Unterrichtsentwicklung sind seit Jahren die Kernbotschaften von John Hatties „Visible Learning“, die wir schrittweise in die Unterrichtspraxis übertragen. Als Pilotschule im bundesweit ersten Projekt „Schulen zum Leben“ erhielten wir weitere wichtige Impulse. An meiner Schule, dem Eldenburg-Gymnasium in Lübz, gehört das Lernen mit digitalen Medien mittlerweile schon zum Schulalltag. Unterstützung erhalten wir von unserem Schulträger, dem Landkreis Ludwigslust-Parchim, der unser Gymnasium technisch sehr gut ausgestattet hat. Dazu zählt neben einem flächendeckenden WLAN, die interaktive Präsentationstechnik in den Räumen, eine Lernplattform sowie ein für alle benutzbares Druckmanagementsystem zum Drucken von Unterrichtsmaterialien und Handouts. Wir als Lehrerteam schauen darauf, wie wir die Digitalisierung im Unterrichtsalltag sinnvoll einbinden und lernwirksam umsetzen können. In diesem Prozess werden auch wir Lehrkräfte immer wieder zu Lernenden. Ganz aktuell erarbeiten wir gemeinsam mit dem Landkreis und dem Medienpädagogischen Zentrum des Bildungsministeriums ein Konzept zum Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht.

Flankiert wird die Digitalisierung der Schulen in MV durch die Einführung des ab Klasse fünf verbindlichen Unterrichtsfaches „Informatik und Medienbildung“. Unsere Schülerinnen und Schüler erlernen hier wichtige Grundlagen der Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkritik und sollen dabei auch ein Verständnis für die Funktionsweise von Informations- und Kommunikationstechniken entwickeln. Damit dies gelingt, stellt das Land Mecklenburg-Vorpommern den Schulen flächendeckend insgesamt 100 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren aus Bundesmitteln aus dem DigitalPakt zur Verfügung und investiert weitere 10 Millionen Euro für die Digitalisierung von Schulen, indem es den Anteil der kommunalen und freien Schulträger beim DigitalPakt übernimmt.

Als Schulleiter denke ich, ob und wie die Digitalisierung an Schulen gelingt, wird entscheidend von der Professionalität, der Leidenschaft und der Haltung unserer Lehrerinnen und Lehrer abhängen und ich freue mich ganz besonders über den Lehrernachwuchs in den MINT-Fächern, der diese Herausforderung gemeinsam mit uns annimmt und gestaltet.“

 

Der Bericht erschien im +3 Magazin in der Süddeutschen ZeitungFoto: Silke Winkler