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und Natur genießen. 

Was für ein Sprung von Südtirol an die Ostsee!

„Vom Schritt zum Sprung, vom Sprung zum Flug“, lautet das Motto der Rostocker Otto-Lilienthal-Schule: Ihr Schulleiter, der Italiener Stefan Plattner, wagte ganz andere Sprünge – von Norditalien nach Norddeutschland, von Südtirol nach Mecklenburg-Vorpommern, von den Alpen an die Ostsee – und fand mit seiner Familie eine neue Heimat und eine wunderbare Aufgabe.

Sehr viel Spontanität, Glück und Zufall – fast unüberlegt, aber genau richtig

Das glaubt man kaum: Ein völlig ungeplanter, spontaner Abstecher nach Stralsund und ein Spaziergang ans Ende einer Straße führten dazu, dass sich ein Südtiroler aus Kastelruth („Ja – da kommen die ‚Spatzen‘ her!“) in ein zum Verkauf stehendes Haus mit einem wunderschön verwilderten Garten und die Gegend dazu verliebt, dann innerhalb kürzester Zeit das Traumhaus in der Traumgegend erwirbt („Die Entscheidung fiel beim Sonnenuntergang am Meer.“) und mit Frau und zwei von drei Söhnen im Jahr 2015 von den Bergen an die Ostsee zieht. Außerdem fasst dieser norditalienische Lehrer, der in Südtirol noch das Schuljahr beendet und schon im Sommer an einer Schule auf Rügen anfängt, den Mut, sich auf eine Leitungsstelle in Rostock zu bewerben. Mithilfe von Schulamt und Ministerium überwindet er alle bürokratischen Hürden und wird flugs, noch in 2015, Schulleiter. „Die Schulamtsleiterin in Rostock hat sich sehr viel Zeit für mich genommen und mich sehr ermutigt. Überhaupt: Die Anerkennung meiner Abschlüsse durch das Ministerium ging relativ zügig, die Mitarbeitenden waren mir immer behilflich und ansprechbar, ich wurde sehr gut beraten und stets zeitnah und transparent informiert. Das waren sehr erfreuliche Gespräche.“ Auch seine Frau findet sofort einen Job in der Gastronomie, in dem sie bis heute gerne arbeitet. Einer der Söhne hat mittlerweile in Greifswald Jura studiert und lebt dort, der jüngste geht in Stralsund zur Schule. „Er ist derjenige in unserer Familie, der nun am meisten MV in sich trägt.“ Und wie geht die Geschichte aus? „Wir bereuen den Schritt keine Sekunde. Ich bin sehr dankbar: MV ist mir zur Heimat geworden, wir haben sofort Fuß gefasst.“

Das Unglaubliche: Der Mann aus einem kleinen Dorf in den Dolomiten hatte zunächst überhaupt keine Anknüpfung oder Verbindung zu MV. „Aber schauen Sie sich mal Luftbilder von MV an. Dort, wo ich heute wohne, das sieht von oben aus wie in der Karibik: der weiße Strand, das türkisfarbene Wasser. Das Bild hat sich eingeprägt und meine Entscheidung bestärkt. Die Landschaft, das Meer, die Leute – man muss kein Romantiker sein, um das zu schätzen!“ Die Plattners lieben das Meer, den Strand, die ganze Umgebung. „Meine Frau ist inzwischen Bernsteinfan, wir machen gern lange Spaziergänge am Wasser und suchen Bernsteine – auch im Winter.“ Ob er die Berge vermisst? „Nein.“ 

Und wie steht es um den Dialekt? Ein wenig hört man den südlichen Einschlag in der Sprache, könnte ihn aber kaum so weit entfernt verorten – in die nördlichste Provinz Italiens, wo Deutsch die Muttersprache von über 62 Prozent der Bevölkerung ist. „Hier in MV spricht man ein so wunderbares Standarddeutsch, so rein und klar wie nirgendwo“, schwärmt der Deutschlehrer. An den mecklenburgischen Einschlag (vor allem das lange -e) hat er sich schnell gewöhnt, auch wenn er sich anfangs ein wenig veräppelt fühlte, wenn die jungen Schüler und Schülerinnen ihn „Herrn Plattneeer“ riefen. Ganz schnell abgewöhnt hat er sich die Grußformel „Grüß Gott!“. Das führte in diesem Breitengrad dann doch eher zu Irritationen, schmunzelt er.

Ich bin stolz auf meine Schule

Stefan Plattner (Jahrgang 1967) ist in einem kleinen Dorf aufgewachsen, auch der Vater war schon Lehrer. Er studierte in Innsbruck und begann mit 19 Jahren zu unterrichten. „Der Beruf des Lehrers hat mich immer fasziniert und sagt mir sehr zu.“ Seit 2015 arbeitet Plattner an der Regionalen Schule „Otto Lilienthal“ in Rostock Toitenwinkel, die sich sehr intensiv mit der Berufsorientierung beschäftigt, als Ganztagsschule ein vielfältiges wie umfangreiches Kursangebot offeriert und als „Gesunde Schule“ über moderne Sportanlagen verfügt. Zudem ist die Medienschule als „Multimediale Schule“ zertifiziert. Das bedeutet eine Menge Arbeit für den Lehrer für Deutsch und Geschichte und für den Schulleiter. Auf die Doppelrolle angesprochen – mithin die Verantwortung und Aufgaben der Lehre sowie der Leitung und Verwaltung in turbulenten Zeiten – sagt Plattner: „Eine richtige und wichtige Frage! Man ist der Erste, der kommt und der Letzte, der geht. Was mich motiviert? Dass es herausfordernd und abwechslungsreich ist, denn ich kann Dinge völlig neu organisieren und auf den Weg bringen, kann gestalten und umsetzen. Jeder Tag ist voll mit Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Das ist unglaublich spannend, vor allem zusammen mit einem Kollegium, das dafür brennt, dass es den Kindern gut geht und sie sich entwickeln können – wir sind gemeinsam verantwortlich für das Gelingen.“ Dieser Aspekt liegt ihm besonders Herzen: „Man braucht das Team.“ Die Kolleginnen und Kollegen haben ihn vom ersten Tag an unterstützt – mit Loyalität, Vertrauen und Verlässlichkeit. Plattner ist gerührt, als von seiner Anfangszeit berichtet: „Ich wurde sofort freundlich aufgenommen und war willkommen, von meinem Stellvertreter habe ich so viel gelernt. Ich kam in ein motiviertes Kollegium, dem ich vertrauen kann, eines, das zu seinem Schulleiter steht“, sagt er mit Respekt, „alle ziehen an einem Strang und bringen sich ungefragt mit Herzblut ein.“ Stefan Plattner ist voller Enthusiasmus, wenn er über seine Arbeit spricht: „Ich bin stolz auf meine Schule.“

 

Das Gefühl für die Heimat: Unser Flecken Erde

Stefan Plattner ist voller Begeisterung, wenn er von seinem Haus bei Stralsund und der Nachbarschaft erzählt, mit der er und seine Familie sofort Freundschaft schlossen. „Wir haben ein herrliches, ganz enges Verhältnis und essen gern zusammen. Sie haben uns beigebracht, Fische zu unterscheiden und zuzubereiten! Wir haben Schüttelbrot und Germknödel nahegebracht. Unser Nachbar versteht inzwischen sogar schon unseren Südtiroler Dialekt.“ Mit der hiesigen Mentalität kommt er sehr gut zurecht: „Hier ist man ruhiger und zurückhaltender, nach außen hin verschlossener, aber wenn man hier Freunde gewinnt – das ist sehr ehrlich und frei von Oberflächlichkeit.“ 

Nur Fliegen ist schöner? Wohl kaum: Plattner liebt die Bodenständigkeit und die unprätentiöse Heimatverbundenheit der Leute in MV. „Wir sind hier angekommen und inzwischen richtig lokalpatriotisch: Wir bleiben hier und werden garantiert nie wieder fortgehen – schon allein unser Garten ist unser Flecken Erde!“ Stefan Plattner ist voller Dankbarkeit – mit ein wenig Verwunderung über soviel Glück.

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